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„Du musst lernen, dich durchzubeißen!“

„Du musst lernen, dich durchzubeißen!“

“Du musst einfach mal bei einer Sache bleiben und die durchziehen!”

“Wenn du dich für etwas entscheidest, dann bleib auch dabei!”

“Jetzt zieh doch endlich mal eine Sache durch!”

 

Uff – da sind sie wieder, Sätze die in meiner Magengegend immer für Unwohlsein sorgen.

Ich muss… was muss ich eigentlich? Ich muss gar nichts, oder?

Lasst uns mal darüber reden, warum es manchmal so schwer ist, an etwas dranzubleiben, wenn man davon nicht mehr überzeugt ist.

Lasst uns darüber reden, warum Gefühle oft eben keine valide Entscheidungsgrundlage sind und warum auch das fünfte mal Umentscheiden heute leichter ist, als jemals zuvor.

 

Warum entscheiden sich Millennials so oft um?

 

Wer die Wahl hat, hat die Qual.

Je mehr Auswahl wir haben, desto schwieriger wird es für uns, uns zu entscheiden – und bei dieser Entscheidung zu bleiben.

Das gilt für Jobs, Beziehungen, Wohnorte – ja, für so ziemlich alles.

Nie war es leichter als heute, eine Entscheidung nicht zu treffen. Nie war es leichter als heute, sich direkt wieder umzuentscheiden. Nie war es leichter als heute, etwas neu anzufangen und Dinge nicht zu Ende zu bringen.

Das nächste Date wartet auf Tinder, nachdem man sich daheim unverstanden fühlt. Warum bleiben? Der Typ versteht mich doch eh nicht und mein wahrer Seelenverwandter wartet sicher um die nächste Ecke.

Private Projekte abschließen, warum? Nie war es reizvoller, jeden Tag neue Dinge anzufangen und die alten Versuche einfach wegzuwerfen. Alles neu macht… nicht nur der Mai. Konsum kann so schön sein, wenn man die Spuren regelmäßig beseitigt.

Der Chef ist ein Dinosaurier, Konzernstrukturen killen die eigene Kreativität und alle Freunde arbeiten bei hippen Start-Ups, die coole Workations machen und regelmäßig ihren Social Media Auftritt pflegen?

Warum bleiben? Warum dabeibleiben? Warum durchbeißen?

Wenn einen alles im eigenen Zweifel bestätigt, wie hält man sich selbst auf einem Kurs, den man doch selbst gar nicht halten möchte?

 

Sind Millennials verwöhnt?

 

Die kurze Antwort ist: Ja, sind wir.

Wir sind verwöhnt und übersättigt. Nein, natürlich nicht alle von uns – aber ein zunehmend größer werdender Teil von uns. Wir gehen nicht mehr arbeiten, um zu überleben. Das haben unsere Eltern oder Großeltern für uns getan.

Bevor jetzt wieder jemand klugscheißert: nein, natürlich rede ich nicht von ALLEN MENSCHEN MEINER GENERATION. Nur von einigen. Und einige davon wirst auch du, lieber Leser, kennen.

Eigentlich könnte dieser Artikel eine Hommage an die Disziplin sein. Oder eine Ode an die Standhaftigkeit. An die Verlässlichkeit, an das Durchhaltevermögen.

Stattdessen möchte ich ein Gefühl dafür geben, wie es ist, im Schlaraffenland aufzuwachsen. Ich bin wirklich nicht mit dem goldenen Löffel im Hals aufgewachsen – aber ich habe mir den goldenen Löffel selbst anerzogen. Oder eher: ihn mir angewöhnt.

Unendliche Möglichkeiten, eine Welt, die einem vermeintlich an jeder Ecke bessere Angebote macht.

Die eigene Unsicherheit, die einen glauben lässt, man müsse von allem mehr machen. Mehr wissen, andere Dinge wissen, andere Dinge machen. Hauptsache weiterentwickeln – Hauptsache, nirgendwo zu lange bleiben. Bloß nicht ankommen. Bloß. Nicht. Stehenbleiben.

Dabei gehört es dazu, durchzuhalten. Dabeizubleiben. Zur eigenen Entscheidung zu stehen.

Auch, wenn man zeitweise daran zweifelt.

 

Manchmal ist die größte Weiterentwicklung die Fähigkeit, stehen zu bleiben. Und manchmal merkt man, während man stehen bleibt, dass man im Stehen viel besser durchatmen kann.

Muss man sich für Privilegien schämen?

Muss man sich für Privilegien schämen?

Lasst uns mal drüber reden, dass manche Leute nicht nur privilegiert sind, sondern sich genau dafür schämen. Es gibt sogar Leute, die Andere dafür anklagen, ihre Privilegien zu leben.

Klingt verrückt? Nennt man privilege-shaming. Einfach mal googlen.

Privilegien sind aktuell ein riesiges Thema. Die Einen haben sie, die Anderen nicht. Nicht selten verhärtet diese Ungleichheit die Fronten auf beiden Seiten.

Man belächelt oder beschuldigt einander gerne, macht Vorwürfe und versucht anzuklagen.

Aber warum eigentlich? Warum fällt es vielen Menschen so schwer, aufeinander zuzugehen?

Warum ist es so schwer – Gott bewahre – miteinander zu reden?

 

Wie wichtig sind Privilegien?

 

Eigentlich müsste ich sagen: mir persönlich sind sie egal.

Es ist mir egal, welche Hautfarbe mein Gegenüber hat und welchem Geschlecht die Person sich zugehörig fühlt.

Ich höre innerlich schon die ersten Stimmen rufen “Aber das kannst du nur sagen, weil du selbst solche Probleme nie hattest!”

(Und wenn wir ehrlich sind: ganz egal können einem solche Dinge gar nicht sein – evolutionsbiologisch schon nicht. Ich halte viele wahrgenommene Unterschiede allerdings auch für gesellschaftlich konstruiert.)

Es stimmt, ich bin eins der privilegiertesten Wesen auf der Welt: ich bin eine junge, weiße Frau und lebe in Deutschland.

Und während ich selbst nie wegen meiner Hautfarbe diskriminiert worden bin, ist mir Diskriminierung kein Fremdwort.

Ich weiß zwar nicht, wie es sich anfühlt, wegen seiner Hautfarbe benachteiligt zu werden.

Ich weiß aber sehr wohl, wie sich Diskriminierung anfühlt. Obwohl ich in der Krone meiner Privilegien lebe. Obwohl mir doch eigentlich die Welt zu Füßen liegen müsste – komisch, oder? (Ich hoffe, ihr lest mein ironisches Schmunzeln an dieser Stelle)

Und genau da kommen wir zu einem spannenden Punkt: Erwartungshaltungen.

Oft ist es nämlich so, dass wir etwas vom Leben oder von anderen Menschen erwarten. Respekt zum Beispiel. Oder Fairness. Grundsätzliches Verhalten im Rahmen eines “ethischen Konsens”. Klingt erstmal sinnvoll. Irgendwie.

 

Wie realistisch ist der Anspruch auf Fairness?

 

Ich höre erneut Leute protestieren wenn ich jetzt sage: Fairness ist von Menschen gemacht – die Natur kennt keine Fairness.

Die Natur kennt nur überleben oder nicht überleben und sie wertet nicht. Bei uns Menschen ist das ein bisschen anders. Wir denken nicht in Schwarz und Weiß (pun intended) – wir denken in Graustufen. Verdient es nicht jeder Mensch, respektiert zu werden? Haben wir nicht alle ein Recht auf Fairness und Anerkennung?

Die Antwort ist in meinen Augen: Nein. Dieses vermeintliche Recht ist eigentlich nicht real. Oft erwarten wir Dinge vom Leben, die wir gar nicht erwarten können. Warum? Weil es uns so beigebracht wird. Oder auch nicht. Je nachdem.

Und das ist auch schon der nächste Punkt: Unsere Prägung bestimmt, wie wir die Welt sehen. Welche Paradigmen wir entwickeln. Und wie wir uns selbst wahrnehmen.

Denke ich selbst, ich sei schwach, weil ich eine Frau bin? Denke ich, man halte mich für wertlos, weil ich schwarz bin? Glaube ich, die Leute mögen mich weniger, weil ich aus dem Raster jeweiliger Ideale falle?

All diese Fragen beantworten sich oftmals aus dem Kontext, in dem wir aufgewachsen sind.

Werden wir zu Menschen erzogen, die an Selbstbestimmtheit glauben? Menschen, die Eigenverantwortung übernehmen und aus jeder Situation das Beste machen?

Oder werden wir zu Menschen, die sich selbst nichts wert sind und vor allem Anderen die Schuld für zerplatzte Träume geben?

 

Wie real ist strukturelle Diskriminierung?

 

Sehr real. Natürlich ist sie das, leider. Ich möchte niemandem erzählen, alle Menschen hätten die gleichen Chancen. Das wäre totaler Stuss. Wir können eine Millionärstochter nicht mit einem Kriegsflüchtling vergleichen – selbst wenn sie es wollten, werden ihre Möglichkeiten höchstwahrscheinlich nie die gleichen sein.

Wir können äußere Einflüsse nicht beeinflussen. Wir können aber beeinflussen, wie wir selbst darauf reagieren.

Wenn wir nun glücklicherweise mit Privilegien groß geworden sind, um die Andere uns beneiden (denn das ist oft ein springender Punkt), dann können einige sehr interessante Dinge passieren.

Zum Einen sind wir selbst, sofern wir dazu keinen Bezug haben, mit manchen Problematiken gar nicht vertraut. Hunger? Kennen wir nicht. Rassismus? Nie drunter gelitten. Krieg? Das letzte mal gesehen auf Twitter.

Wenn wir jetzt über diese Themen sprechen – als “Unwissende” – kann es passieren, dass wirklich Betroffene sich angegriffen fühlen und uns dafür zur Rechenschaft ziehen.

Leider passiert das oft auf eine nicht minder unglückliche Art und Weise, denn: schnell wird versucht, das vermeintlich böse privilegierte Gegenüber in “seine” Ecke zu drängen und dafür anzuklagen.

Statt eines Austausches und beidseitig gestellten Fragen wird sich gegenseitig die Schuld gegeben.

Hier befindet sich paradoxerweise die vermeintlich schwächere weil weniger privilegierte Person in der stärkeren Position, denn: sie kann ihr Gegenüber der Ignoranz und des Unwissens anklagen, ihr Schuld und Scham einreden für die Privilegien, die ihr Gegenüber hat – und sie nicht.

Plötzlich sind also die Rollen verdreht und man schämt sich für das Glück, das man vermeintlich hat, in Milch und Honig geboren worden zu sein.

Ich überzeichne das Bild bewusst, leider fühlt sich eine solche Situation aber genau so an.

 

Ist Mitleid toxisch?

 

Oft entsteht aus der neuen Perspektive und dem Schamgefühl heraus dann Mitleid und der Wunsch, für vermeintlich mehr Gerechtigkeit zu sorgen.

Das geschieht aber, wie gesagt, eher aus einem innerlich empfundenen Zwang heraus, als aus wirklicher Nächstenliebe.

Die Scham über die eigenen Privilegien lässt einen dann kuriose Dinge tun – oftmals sogar Dinge, die eigentlich keinen Sinn machen.

Statt zum Beispiel Schwächere zu bestärken und zu befähigen, versucht man nun, sie zu schützen. Man bietet Hilfe – statt Hilfe zur Selbsthilfe. Und damit macht man eigentlich die Kluft nur noch größer und verstärkt auf beiden Seiten das Gefühl, wir hätten den Anspruch auf irgendetwas auf der Welt, ja sogar auf Gerechtigkeit.

Das Thema ist um einiges tiefer, als ich das jetzt hier so oberflächlich anreiße. Wir kratzen schnell an Themen wie Generationenkonflikten, Erbtraumata und Identitätspolitik, auf die ich in dem Umfang weder eingehen kann, noch möchte.

Alles was ich möchte, ist dafür zu sensibilisieren, dass wir natürlich alle dazu beitragen, dass die Welt ein besserer oder schlechterer Ort für uns alle wird.

Das tun wir auf die verschiedensten Arten: durch Konflikte genauso wie durch den wertschätzenden Austausch im Gespräch.

Kein Weg ist der richtige, keiner der falsche. Trotzdem hilft es, sich ab und an mal zu fragen, ob man wirklich sein Bestes tut, um mit dem Gegenüber auszukommen und sowohl ihm, als auch sich selbst das Leben leichter zu machen.

Äußerlich: gelangweilt. Innerlich: überfordert.

Äußerlich: gelangweilt. Innerlich: überfordert.

Die Resignation

– das Sichfügen in das unabänderlich Scheinende

“Irgendwie ist mir alles egal. Nicht, weil ich das will. Sondern weil… ich weiß nicht warum. Ich fühle Dinge einfach nicht. Weder Ärger noch Freude. Nichts erreicht mich mehr.“

Dieser Satz steht in einem meiner Notizbücher. Geschrieben hab ich ihn 2019. Das Gefühl an sich – beziehungsweise das Nichts-Fühlen kenne ich allerdings schon länger. Ich habe schon als Kind versucht, mir manche Emotionen einfach abzutrainieren. Sie zumindest nicht mehr zu zeigen. Besonders Freude und Trauer waren mir unangenehm – ich wollte nicht, dass mich jemand auf die Art sieht. Also habe ich angefangen, sowohl innerlich als auch äußerlich Emotionen nicht mehr zuzulassen.

Das Resultat? Ein permanentes „Resting Bitch Face“ – innerlich wie äußerlich.

Während ich mittlerweile wieder Zugang zu meinen Emotionen gefunden habe und mich auch traue, sie auszudrücken (hey, that’s a big deal for me, nicht lachen!), kenne ich viele Leute in meinem Alter, die das nicht können. Äußerlich wirken sie, als sei ihnen einfach alles komplett egal.

Ich frage mich regelmäßig, warum das so ist – obwohl das ganz oft ähnliche Wurzeln hat, wie bei mir.

Die wenigsten Leute haben tatsächlich diese „ Scheißegal-Haltung“, die sie nach außen hin propagieren. Im Gegenteil – viele von den nach außen hin „gelangweilten“ Leuten haben in Wahrheit eine Heidenangst, ihre Gefühle zu zeigen. Man möchte sich nicht die vermeintliche Blöße geben – weder vor dem Partner, noch dem Chef, noch sonst wem. Man hat Angst, das Gegenüber nutze die gezeigte vermeintliche Schwäche zum eigenen Vorteil. Angst, man wirke inkompetent oder verliere damit Ansehen oder vermeintlichen Status, den man hat, weil man so „beisammen“ ist. 

Lol, fun fact: Dinge, die man auf Treibsand baut, die sickern früher oder später ein, unvermeidbar. Die Anstrengung, die es braucht um die Fassade aufrecht zu halten, wird über die Zeit immer größer. Nicht selten führt so ein Verhalten dazu, dass man sich selbst ausbrennt, weil man an völlig falschen Bildern (von sich selbst) festhält und sich damit ein Umfeld schafft, das einen Richtungswechsel auf den ersten Blick gar nicht mehr zulässt. Man baut sich einen eigenen goldenen Käfig – mit offener Tür, durch die man nie nach draußen tritt, weil man sie nicht mehr sieht.

Was dann passiert? In meiner Analogie nimmt jemand den Käfig und schüttelt den depperten Vogel darin mal ordentlich durch.

Dieser jemand ist nicht selten ein neuer Partner, eine Affäre, die Trennung, der Tod einer nahestehenden Person, Kinder oder eine große berufliche Veränderung. Oft bringen solche (für uns kleine Menschenwesen) großen Ereignisse die eigene Welt so stark durcheinander, dass man vermeintlich an dem Druck zerbricht.

Die darauffolgende Zeit ist alles andere als schön. Im Gegenteil. Ich kenne wenige Situationen, die mit so einer großen Angst einhergehen, wie die, die ich oben beschrieben habe. Das vermeintliche Zerbrechen ist schmerzhaft, macht Angst, reibt auch das letzte bisschen Kraft noch auf, das man dachte, gehabt zu haben. Game? Over. 

Um euch jetzt nicht ZU tief mit in die Untiefen des Hasenbaus zu nehmen, werde ich hier nicht weiter eintauchen – aber ihr kennt mich, das mache ich dann ein andermal.

Um die Frage zu beantworten, für die wir aber doch irgendwie alle hier sind (mehr oder weniger) – was tun, mit (jungen) Menschen, denen vermeintlich alles egal ist und die keinerlei emotionalen Bezug herzustellen scheinen? Geduldig sein. Retten kann man sich immer nur selbst, versucht also nicht, die Leute zu therapieren, ihnen gute Ratschläge oder derlei zu geben. Oft kann man da von außen einfach nicht viel machen. Wenn ihr der Person nahe genug seid, könnt ihr antesten, ob Redebedarf da ist. Wenn nicht: Finger weg. Das gibt nur Chaos. Nicht, dass Chaos zwangsläufig schlecht ist – aber… naja. Ich weiß ja nicht, ich würde euch eher abraten.

Mehr zum Thema findet ihr in meinem Podcast, der demnächst online geht.

“Verantwortung? Trägt hier keiner!”

“Verantwortung? Trägt hier keiner!”

Die Verantwortung [mit einer bestimmten Aufgabe, einer bestimmten Stellung verbundene] Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass (innerhalb eines bestimmten Rahmens) alles einen möglichst guten Verlauf nimmt, das jeweils Notwendige und Richtige getan wird und möglichst kein Schaden entsteht

Warum hat meine meine Generation scheinbar so große Probleme damit, Verantwortung zu übernehmen?

Möglichst wenig Verantwortung scheint die Antwort auf alles – schließlich bindet man sich dadurch auch weniger fest.

Liegt es daran, dass wir gefühlt immer später erwachsen werden? Daran, dass wir erst alles sehen, alles erleben möchten, bevor wir uns entscheiden, “erwachsen” zu werden?

Unsere Eltern waren mit Mitte 20 verheiratet, hatten bereits das erste Kind (oder das zweite?), einen festen Job und waren zumindest auf einem soliden Weg Richtung Eigenheim – lol, schon während ich das schreibe, muss ich schmunzeln.

 

Ich bin heute 28, lebe alleine in meiner 38qm Dachgeschosswohnung im Herzen von Köln 

 

Und die letzten Jahre habe ich gelebt, als gäbe es kein Morgen mehr –  vor Verantwortung (jeglicher Verantwortung) habe ich mich lange gedrückt. Und ehrlich – es hat mir Spaß gemacht. Keine Verantwortung zu tragen war für mich immer gleichbedeutend mit Freiheit.

Es war mir wichtig, von heute auf morgen meine Sachen packen zu können und von Copenhagen aus an irgendeinem kurzweiligen Projekt arbeiten zu können. So wichtig, dass ich nie wirklich “angekommen” bin – geschweige denn, eine Art Basis zu haben.

Lange hat sich das saugut angefühlt. Wirklich langfristige Gedanken habe ich mir dabei nicht gemacht – dann hätte ich ja (zumindest für mich selbst) Verantwortung übernehmen müssen und mir eingestehen: Dina, du wirst nicht ewig Mitte 20 durch die Welt tinglen können.

Nicht falsch verstehen: die Freiheit brauch ich heute noch. Nur war es bei mir zu der zeit die absolute Weigerung, mich selbst zu reflektieren und verantwortlich zu halten.

Denn – so viel muss ich zugeben – das hätte verdammt weh getan, und das tut es heute noch regelmäßig. Vielleicht tun Menschen das deshalb so (un)gern… 

Erwachsen werden, Verantwortung übernehmen – davor habe ich mich lang gedrückt. Und ich kenne (oh so) viele Leute, denen es heute noch so geht.

Natürlich kann ich nicht von mir sprechen und daraus Rückschlüsse auf zig Millionen andere Menschen ziehen.

Trotzdem denke ich, von “mir” gibt es verdammt viele da draußen. Und ich kenne einige.

Dabei scheint mir, dass das gar keine Angelegenheit ist, die speziell meine Generation betrifft. Natürlich habe ich schon den Eindruck, wir werden später erwachsen, als unsere Eltern – und übernehmen später Verantwortung als sie. Unsere Umwelt macht es uns leichter denn je, wie Peter Pan ein Leben in Nimmerland zu leben. Und natürlich kenne ich einige (einige viele) vermeintlich Erwachsene, die zwar äußerlich verantwortungsvoll sind – bis man hinter die Fassade blickt.

Als ich jünger war, hieß Erwachsensein für mich: “Ich weiß, was ich hier tue”

Ich dachte, man sei verantwortungsvoll, rechtschaffen und ganz sicher habe man “sein Leben beisammen”. Hört ihr mich lachen? Klar – grundsätzlich Verantwortung übernehmen die meisten Leute irgendwo und irgendwie. Aber das Maß, zu dem Menschen tatsächlich Eigenverantwortung übernehmen ist erstaunlich gering. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass die meisten Leute erstaunlich verantwortungslos handeln – es kann nicht anders sein, wenn jemand grundlegend für sich selbst noch keine Verantwortung trägt. 

Und so laufe ich heute noch immer mit großen Augen und vielleicht teils noch sehr naiven Gedanken durch die Welt und lerne, was verantwortung wirklich bedeutet – für mich und für Andere.

“Bekomm du erstmal Kinder, dann verstehst du das!”

Ihr kennt den Satz sicher.

Mir hat man jahrelang erzählt, ich würde schon lernen Verantwortung zu tragen, wenn ich nur mal Kinder bekäme. Unschwer hier nochmal kurz darauf hinzuweisen: ich bin (gefühlt noch ganz lang) nicht bereit für Kinder. Ich bin doch selbst noch eins – zumindest fühlt sich das oft so an.

Verantwortung lernt man also, wenn man Kinder bekommt, soso. Lasst mich mal kurz über einige meiner Freunde nachdenken, die trotz Familie regelmäßig fremdgehen, weil sie das Gefühl haben, sie tragen Verantwortung, die nicht ihre ist. Lasst mich die Leute fragen, die die vermeintlich perfekte Familie haben – bis man mit ihnen spricht und feststellt: “Du bist derart nicht in der Lage, Verantwortung zu übernehmen…” Aber hey – ich möcht hier nicht zynisch klingen.

Alles was ich sagen möchte ist: Ja, ich glaube, (Eigen-)Verantwortung ist das schwerste und wichtigste, was ein Mensch tragen kann.

Meine Generation tut sich da zu weiten teilen sicher schwer mit – aber wer kann’s uns verübeln? Wir tun, wie alle anderen Menschen auf der Welt, unser Bestes.

Fokus – der Endgegner?

Fokus – der Endgegner?

Der Fokus, bildungssprachlich – Schwerpunkt, Mittelpunkt des Interesses, einer Sache, einer Auseinandersetzung, eines Diskurses 

 

Warum fällt es meiner Generation scheinbar so schwer, sich zu fokussieren?

Es heißt, Millennials haben ein Problem, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Sie seien schnell abgelenkt und Fokus zähle nicht zu ihren Stärken. Tatsächlich kommt die Klage über die mangelnde Fähigkeit Fokus zu entwickeln auch aus meiner Generation selbst. Hoffnungslose Überforderung mit den kleinsten Aufgaben und Unfähigkeit, sich zu konzentrieren – geschweige denn, zu fokussieren.

Mit der Überforderung kommt Unruhe und mit der Unruhe kommt die Angst. Das Spannende dabei ist aber: die Angst, die vermeintlich durch die Überforderung ausgelöst wird, hat ihren Ursprung an einem anderen Punkt.

Aber fangen wir noch einmal beim Fokus an. Warum fällt es denn “einer ganzen Generation” so schwer, Fokus zu entwickeln?

Gleich vorweg: Es fällt natürlich nicht der ganzen Generation Y schwer, sich zu konzentrieren. Vielmehr verstecken einige von uns sich gern hinter solchen pauschalen Behauptungen, die zwar sicherlich im Kern Wahrheit tragen, aber wie die meisten Pauschalaussagen viel eher die wahrgenommene, als die echte Realität widerspiegeln.

Definitiv der Fall ist: wir leben in einer Welt, die uns die Ablenkung auf dem Silbertablett serviert. Wenn wir uns ablenken wollen, müssen wir nicht mal mehr dafür aufstehen – ein Griff zum Handy und das Problem ist erledigt.

 

Nicht selten passiert es da, dass man eine Dreiviertelstunde auf TikTok zubringt, ohne es zu merken. 

 

Fokus klingt da wie eine lästige Forderung etwas zu tun, was wir eigentlich gar nicht brauchen: die tiefe und differenzierte Auseinandersetzung mit einer Thematik. Dabei war es nie leichter, in kürzester Zeit auf eine solche Menge an Informationen zuzugreifen, wie wir es heute jederzeit können – um uns mit etwas auseinanderzusetzen und bestmöglich weiter zu bilden.  Und nie schien es nötiger, dass wir immer und zu allem bestmöglich informiert sind. “Immer und zu allem” bedeutet aber nunmal auch: zu den meisten Dingen nur sehr oberflächlich. Entwickelt man selbst keinen Fokus wenn man sich mit einem Thema auseinandersetzt, läuft man Gefahr, von Thema zu Thema zu Thema zu springen – und nirgends wirklich tief einzusteigen.

 

Der Vorteil: man eignet sich grundsätzlich viel Wissen an – nur, wie oben bereits beschrieben, sehr oberflächlich. Ist es jetzt notwendig, dass man sich tiefer und langfristiger mit etwas auseinandersetzt, wird es schwierig.

 

Denn: Konzentration kann – und muss – man lernen. Und wie bei so vielen Dingen im Leben gilt: “Use it or lose it”. 

 

Wer es nicht gewöhnt ist, sich zu fokussieren, dem wird dies nicht auf Anhieb gelingen. Es entsteht Frust – und schnell sucht man sich etwas, das den Frust durch vermeintlich angenehme Gefühle kompensiert. Das Problem: Je häufiger man sein Glück in der kurzfristigen Ablenkung und dem dauerhaften Konsum von Input sucht, desto weniger wird man in der Lage sein, sich auf eine – nur eine – Sache zu konzentrieren.

Man gestattet sich selbst nicht, das angeeignete Wissen oder die Information in Ruhe zu verarbeiten – zu reflektieren und zu verinnerlichen. Das Ergebnis ist das Gefühl eines immer gefüllten, immer arbeitenden und nie zur Ruhe kommenden Geistes. Dieses Gefühl wird zu Überforderung – und diese Überforderung wird zu Angst. Angst, nicht genug zu schaffen, nicht genug zu wissen – und ultimativ: nicht genug zu sein.

Denn eigentlich ist genau das das Problem: viele Menschen (und ich sage bewusst nicht: Millennials, weil das nicht nur ein Problem meiner Generation ist) haben ursprünglich das Gefühl, sie seien nicht genug. Oft ist es genau dieser wahrgenommen nicht vorhandene Selbstwert, der dazu führt, dass man sich erst ununterbrochen ablenken möchte. Ablenken von der Auseinandersetzung mit sich selbst. Es ist emotional so viel einfacher, die Augen vor etwas zu verschließen, was schmerzt – als sich genau damit auseinanderzusetzen; mit all der Zeit, Ruhe und Geduld, die dafür nötig ist.

 

Das Gefühl nicht genug zu sein wird überdeckt mit einem nicht enden wollenden Konsum an noch einer Podcast-Folge, noch einem Video und noch einem mal durchscrollen des Feeds egal welcher App. Dabei ist das Problem an sich nicht neu – nur haben wir nie zuvor in einem Umfeld gelebt, das ähnlich wie Zuckerwatte für Kinder unruhigen Geistern die Möglichkeit bietet, noch mehr von allem zu wollen.

 

“Je mehr von allem anderen, desto weniger von mir selbst.”

 

Doch wie lernt man denn Fokus, wenn der Kern des ganzen viel tiefer liegt? In meinen Augen muss man nicht sein ganzes Leben aufarbeiten, bis man in der Lage ist, seinen Geist zu beruhigen und nicht konsequent nach Ablenkung zu suchen.

Tatsächlich glaube ich, dass wie bei vielen Dingen es vor allem eine Frage von Training ist.

Ich bin sicher niemand, der gute Lerntipps geben kann – dafür gibt es diverse YouTube Videos, die sich mit dem Thema auseinandersetzen.

Aber: Konzentration und Fokus können zur Gewohnheit werden. Schafft man es, Phasen konzentrierter Arbeit jeglicher Art nach und nach in eigene Routinen zu übernehmen, wird auch die Konzentration irgendwann zur Routine.

Am Ende ist es egal, welcher Generation ihr angehört – ihr werdet um ein wenig (mehr) Selbstdisziplin nicht herumkommen. Und glaubt mir, solltet ihr damit Schwierigkeiten haben: ihr seid nicht allein.