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Die Verantwortung [mit einer bestimmten Aufgabe, einer bestimmten Stellung verbundene] Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass (innerhalb eines bestimmten Rahmens) alles einen möglichst guten Verlauf nimmt, das jeweils Notwendige und Richtige getan wird und möglichst kein Schaden entsteht

Warum hat meine meine Generation scheinbar so große Probleme damit, Verantwortung zu übernehmen?

Möglichst wenig Verantwortung scheint die Antwort auf alles – schließlich bindet man sich dadurch auch weniger fest.

Liegt es daran, dass wir gefühlt immer später erwachsen werden? Daran, dass wir erst alles sehen, alles erleben möchten, bevor wir uns entscheiden, “erwachsen” zu werden?

Unsere Eltern waren mit Mitte 20 verheiratet, hatten bereits das erste Kind (oder das zweite?), einen festen Job und waren zumindest auf einem soliden Weg Richtung Eigenheim – lol, schon während ich das schreibe, muss ich schmunzeln.

 

Ich bin heute 28, lebe alleine in meiner 38qm Dachgeschosswohnung im Herzen von Köln 

 

Und die letzten Jahre habe ich gelebt, als gäbe es kein Morgen mehr –  vor Verantwortung (jeglicher Verantwortung) habe ich mich lange gedrückt. Und ehrlich – es hat mir Spaß gemacht. Keine Verantwortung zu tragen war für mich immer gleichbedeutend mit Freiheit.

Es war mir wichtig, von heute auf morgen meine Sachen packen zu können und von Copenhagen aus an irgendeinem kurzweiligen Projekt arbeiten zu können. So wichtig, dass ich nie wirklich “angekommen” bin – geschweige denn, eine Art Basis zu haben.

Lange hat sich das saugut angefühlt. Wirklich langfristige Gedanken habe ich mir dabei nicht gemacht – dann hätte ich ja (zumindest für mich selbst) Verantwortung übernehmen müssen und mir eingestehen: Dina, du wirst nicht ewig Mitte 20 durch die Welt tinglen können.

Nicht falsch verstehen: die Freiheit brauch ich heute noch. Nur war es bei mir zu der zeit die absolute Weigerung, mich selbst zu reflektieren und verantwortlich zu halten.

Denn – so viel muss ich zugeben – das hätte verdammt weh getan, und das tut es heute noch regelmäßig. Vielleicht tun Menschen das deshalb so (un)gern… 

Erwachsen werden, Verantwortung übernehmen – davor habe ich mich lang gedrückt. Und ich kenne (oh so) viele Leute, denen es heute noch so geht.

Natürlich kann ich nicht von mir sprechen und daraus Rückschlüsse auf zig Millionen andere Menschen ziehen.

Trotzdem denke ich, von “mir” gibt es verdammt viele da draußen. Und ich kenne einige.

Dabei scheint mir, dass das gar keine Angelegenheit ist, die speziell meine Generation betrifft. Natürlich habe ich schon den Eindruck, wir werden später erwachsen, als unsere Eltern – und übernehmen später Verantwortung als sie. Unsere Umwelt macht es uns leichter denn je, wie Peter Pan ein Leben in Nimmerland zu leben. Und natürlich kenne ich einige (einige viele) vermeintlich Erwachsene, die zwar äußerlich verantwortungsvoll sind – bis man hinter die Fassade blickt.

Als ich jünger war, hieß Erwachsensein für mich: “Ich weiß, was ich hier tue”

Ich dachte, man sei verantwortungsvoll, rechtschaffen und ganz sicher habe man “sein Leben beisammen”. Hört ihr mich lachen? Klar – grundsätzlich Verantwortung übernehmen die meisten Leute irgendwo und irgendwie. Aber das Maß, zu dem Menschen tatsächlich Eigenverantwortung übernehmen ist erstaunlich gering. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass die meisten Leute erstaunlich verantwortungslos handeln – es kann nicht anders sein, wenn jemand grundlegend für sich selbst noch keine Verantwortung trägt. 

Und so laufe ich heute noch immer mit großen Augen und vielleicht teils noch sehr naiven Gedanken durch die Welt und lerne, was verantwortung wirklich bedeutet – für mich und für Andere.

“Bekomm du erstmal Kinder, dann verstehst du das!”

Ihr kennt den Satz sicher.

Mir hat man jahrelang erzählt, ich würde schon lernen Verantwortung zu tragen, wenn ich nur mal Kinder bekäme. Unschwer hier nochmal kurz darauf hinzuweisen: ich bin (gefühlt noch ganz lang) nicht bereit für Kinder. Ich bin doch selbst noch eins – zumindest fühlt sich das oft so an.

Verantwortung lernt man also, wenn man Kinder bekommt, soso. Lasst mich mal kurz über einige meiner Freunde nachdenken, die trotz Familie regelmäßig fremdgehen, weil sie das Gefühl haben, sie tragen Verantwortung, die nicht ihre ist. Lasst mich die Leute fragen, die die vermeintlich perfekte Familie haben – bis man mit ihnen spricht und feststellt: “Du bist derart nicht in der Lage, Verantwortung zu übernehmen…” Aber hey – ich möcht hier nicht zynisch klingen.

Alles was ich sagen möchte ist: Ja, ich glaube, (Eigen-)Verantwortung ist das schwerste und wichtigste, was ein Mensch tragen kann.

Meine Generation tut sich da zu weiten teilen sicher schwer mit – aber wer kann’s uns verübeln? Wir tun, wie alle anderen Menschen auf der Welt, unser Bestes.